Reisländereien

AUF DEN STRAßEN DES REIS: ENTDECKEN SIE DIE REISFELDER DES VERCELLESE

Umringt von mehr als 89.000 Hektar Reisfelder und mit über 100 angebauten Reissorten kann Vercelli in jeder Hinsicht als die Reishauptstadt Europas betrachtet werden.Sitz der Reisbörse und wichtiger sozialer Schauplatz im 20. Jahrhundert: Hier fand der Arbeitskampf der „Mondine" genannten Unkraufjäterinnen statt, die schließlich die Einführung des Acht-Stunden-Arbeitstages erreichten. Vercelli und die Ebene sind seit jeher eng mit dem Reisanbau verbunden.

Die Landschaft der Reisfelder

Kommt man mit dem Zug, mit dem Auto oder auch zu Fuß auf der Via Francigena (Frankenweg) hier an, bleibt man hingerissen von dem einmaligen Schauspiel der Reisländereien stehen, wo im Frühjahr die mit Wasser gefüllten Reisfelder ein idyllisches „Mare a Quadretti" (Meer aus Quadraten) entstehen lassen. In den Ländern des Wassers wechselt mit den Jahreszeiten auch die Farbe der Landschaft: Im Winter dominiert das Braun der gepflügten Äcker, im Frühjahr des Blau der bewässerten Reisfelder, im Sommer das leuchtende Grün der gewachsenen Reispflanzen und im Herbst das Gelb der reifen Rispen.

Die Grangien und die Abtei von Lucedio

Die Zisterziensermönche waren es, die im Vercellese mit der Urbarmachung der Ländereien begannen und den intensiven Reisanbau einführten. Dieses Getreide war zwar schon seit Jahrhunderten in Asien bekannt, hielt aber erst sehr viel später in Europa Einzug. Im Zuge dieser Urbarmachung im Gebiet zwischen Trino, Crescentino und Larizzate entstanden die Grangien, ehemalige Wohneinheiten und landwirtschaftliche Zentren, in denen die Laienbrüder und Zisterziensermönche fern vom Kloster ein mit Auwälder bedecktes Gebiet in landwirtschaftlich nutzbare Felder umwandelten. Ein Beispiel der zuvor hier stehenden Auwälder ist heute noch im „Bosco delle Sorti della Partecipanza" von Trino zu sehen. Der Stützpunkt der Grangien in der Ebene von Vercelli war die Abtei S. Maria di Lucedio. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich die Grangien in moderne Landwirtschaftsbetriebe verwandelt und sind noch heute die Produktionszentren für Reis, in denen sowohl die Vergangenheit als auch die Gegenwart des Reisanbaus entdeckt werden können.

Der Cavour-Kanal und das Bewässerungssystem

Die Geschichte des Reisanbaus ist untrennbar mit dem Wasser verbunden, das in diesem Gebiet ausreichend vorhanden ist: Nicht nur wegen der großen Flüssen und den ungestümen Gebirgsbächen, sondern auch dank der errichteten Wasserbauwerke, die das Wasser direkt auf die Äcker führt. Das wichtigste Ingenieurswerk des Gebiets ist der Cavour-Kanal, der auf Initiative des piemontesischen Staatsmanns Camillo Benso Graf von Cavour entstand und dessen Namen trägt. Der rund 85 Kilometer lange Kanal, der mit den Händen tausender Männer innerhalb von nur drei Jahren gebaut worden war, durchquert die gesamte Ebene von Vercelli und verbindet den Po mit dem Ticino. Das Bewässerungsnetz von Vercelli ist eines der effizientesten in Europa und besteht aus einem engen Labyrinth aus Kanälen und Wasserwegen, die wiederum alte Reis- und Schälmühlen bewegten, wie die alte Mühle von San Giovanni in Fontanetto Po, und an denen bedeutende Gebäude wie die Wasserstandmessstation in Santhià entstanden.

Die Baraggia und der Reis mit dem DOP-Herkunftssiegel

Zwischen Biella, Vercelli und Novara erstreckt sich eine grenzenlos erscheinende Landschaft: Dies ist die Baraggia, einst ein wildes Heideland, Paradies von Eichen, Hainbuchen und des mannshohen Queckengras Molinia. Heute gehört dieses Gebiet zum Schutzgebiet „Riserva Orientata delle Baragge", die diese besondere Landschaft bewahren und fördern soll. Die Baraggia ist nicht nur eine einmalige und reizvolle Umgebung, sondern verbirgt auch viele Zeugnisse aus vergangenen Zeiten. Ein Beispiel dafür ist der kleine charmante Ort Buronzo, der aus sieben Schlössern besteht, die zusammen das „Consortile", das Gemeinschaftsschloss, bilden. Es bietet auf engen Raum beeindruckende Kulissen unterschiedlicher Stile und Epochen. Und nicht zuletzt hat dieses Gebiet eine wahre Exzellenz hervorgebracht: Die Reissorte Baraggia Biellese e Vercellese, die erste und einzige italienische Reissorte mit dem DOP-Herkunftssiegel.

Outdoor und Natur zwischen den Reisfeldern

Der Reiz der Landschaft der Reisfelder liegt in der Ausgeglichenheit zwischen Natur und Mensch, die sie ausstrahlt. Das Zusammenspiel von Reisfeldern und Bewässerungskanälen bildet einen idealen Lebensraum und ein ideales Fortpflanzungsgebiet für im und am Wasser lebende Vogelarten, Amphibien und Pflanzen. Neben den Reisfeldern lohnen sich Ausflüge in die herrlichen Naturparks wie der „Parco Natural delle Lame del Sesia" und der Abschnitt von Vercelli und Alessandria des „Parco Fluviale del Po", eine wahre Naturoase mit einer reichen Biodiversität. Die einzigartige und faszinierende Umgebung, die ein ideales Ausflugsziel für Outdoor-Freunde und Liebhaber des Slow-Tourismus ist, kann auf den „Le Risaie Ciclabili" zu Fuß oder mit dem Fahrrad inmitten der Natur durchquert werden, um die Orte zu bewundern, die zu jeder Jahreszeit einmalige und unterschiedliche Szenarien zeigen.

Wege durch die Reisfelder

Sind sie neugierig auf die Straßen des Reises geworden? Dann bleibt Ihnen nichts anderes übrig als eine der vielen Routen zu begehen, um die zwischen den Reisfeldern verborgenen Schätze zu entdecken. Dies können Sie mit dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß machen: Halten Sie an einer der Landwirtschaftsbetriebe, um optimale Reissorten zu erstehen und die Geheimnisse dieser Getreides und seines Anbaus kennenzulernen. Entdecken Sie die herrlichen „Cascine" (Bauernhöfe) mit geschlossenem Hof und besuchen Sie eine der Naturoasen. Kosten Sie die exzellenten Reisgerichte und andere traditionelle Gerichte in den vielen Restaurants und Agrotourismus-Betrieben der Gegend. Sie erwarten kulturelle, landschaftliche und humanistische Schätze großen Werts und ein exzellentes Produkt, den Reis, der seit Jahrhunderten mit diesen „Wasserfeldern", in denen er gedeiht und wächst, verbunden ist.

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