Kunsthandwerk

HANDWERK

Das Valsesia ist ein geschlossenes Tal mit einem mageren Boden. Seine Bewohner haben im Laufe der Jahrhunderte mit viel Unternehmungsgeist nicht nur gelernt mit ihren Händen das zu verarbeiten, was das Gebiet ihnen bot, sondern ihre Kapazitäten sogar in andere Gebiete hinausgetragen.

Auswanderung gehört schon seit dem 15. Jahrhundert zum Leben der Handwerker des Valsesia, die ab dem 16. Jahrhundert ihr kunsthandwerkliches Können und Wissen nach ganz Europa trugen. Vincenzo Lancia di Fobello gründete die gleichnamige Automobilfabrik, die Durio di Civiasco zeichneten sich im Hotelgewerbe in Spanien aus, die Axerio aus Rima gründeten in Moskau eine florierende Industrie für Kunstmarmor, der noch heute an zahlreichen Palästen zu sehen ist, die Bewohner von Varallo brachten die Webkunst und den Seidenhandel nach Lyon und Pietro Rolandi di Quarona eröffnete in London eine Buchhandlung, die von den Intellektuellen des 19. Jahrhunderts frequentiert wurde.

Als "Geburtsstunde" des Kunsthandwerkes des Valsesia kann man die Zeit um die Jahrhundertwende zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert angeben, als mit dem Bau des Sacro Monte von Varallo, dem Neuen Jerusalem der Alpen, die besten Bauherren, Tischler, Schmiede und Dekorateure des Gebiets beschäftigt wurden.

1831 wurde die „Società d’Incoraggiamento allo Studio del Disegno" (Schule zur Förderung des Studiums des Designs) in Varallo gegründet, die den jungen Menschen aus dem Tal helfen sollte, ihre künstlerische Talente voll zum Erblühen zu bringen. Kurz darauf entstand 1838 die Scuola Barolo mit der Werkstatt für Holzskulpturen.

Der Förderung und Aufwertung des Handwerkes des Valsesia widmet sich noch heute die „Società Operaia di Mutuo Soccorso" (Arbeiterschule der gegenseitigen Hilfe), die das 1859 von der gleichnamigen und historischen Societa di Varallo begonnene ursprüngliche Ziel der Verbesserung und dem Erhalt des materiellen und moralischen Wohlbefinden der Arbeiter fortführt.

Das Handwerk des Valsesia hat also eine lange Tradition: Da das Tal nur wenige begehbare Verbindungswege besitzt, mussten die Bewohner des Valsesia selbst ihre Bedürfnisse decken. Aufgrund dieser Abgeschlossenheit des Tales konnten ihre handwerklichen Verarbeitungstechniken ohne externe Einflüsse bewahrt werden: Handwerklich angefertigte Möbel und Textilien (Hanf, Leinen, Seide und Wolle), Bronzeverarbeitungen (Glocken von Valduggia und Statuen), Schmiedearbeiten (in Varallo sind zahlreiche handwerklich angefertigte kunstvolle Balkone zu betrachten), die Puncetto-Spitzenhäkelei, die Scapin, die Arbeiten aus Speckstein aus Alagna und die Korbflechterei.

Heute ist leider ein Teil dieser Verarbeitungstechniken verloren gegangen, aber andere werden weiterhin viel praktiziert, was die handwerklichen Objekte in der „Bottega dell’Artigianato" in Varallo belegen.

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