Die Osterritualer

PROZESSION DER „MASCHINEN" – VERCELLI

In Vercelli, wie in vielen anderen Orten der Provinz stellen die religiösen Osterfeierlichkeiten einen ganz besonderen Augenblick dar, bei denen sich Religion und Tradition mischen, um die seit Jahrhunderten überlieferten Bräuche lebendig zu erhalten.

In Vercelli wird am Karfreitag eine Prozession inszeniert, die ihren Ursprung im Jahr 1833 hat, und bei der große Skulpturengruppen aus Holz, Gips und Pappmaché, die sogenannten „Maschinen" verwendet werden. Die Glaubensbruderschaften, die in den Städten seit dem 13.-14. Jahrhundert florierten und die allgemein diese Art Kult pflegten und Prozessionen organisierten, erhalten diese alten Bräuche noch heute lebendig.

Der Begriff „Maschine" (machina) stand für die Bahre zum Transport von Kranken und Gelähmten, heute steht er für die Trage, den Sockel, auf dem die in der Prozession getragenen Statuen stehen.

Die Geschichte dieser Prozession in Vercelli geht auf das 18. Jahrhundert zurück, als man das aus Spanien stammende Ritual des „Interro" beging, nämlich die Inszenierung einer symbolischen Beerdigung in der Kirche San Marco. Am Ende des Jahrhunderts erschien in Vercelli die erste Prozessionsmaschine, die Ecce homo darstellte und die Mitte des 18. Jahrhunderts durch den Christus an der Säule der Kompanie der Disziplinaten des Heiligen Nikolaus ersetzt wurde.

Ab 1734 wurden in Vercelli weitere Skulpturengruppen gebaut, die am Abend des Gründonnerstags zur Schau gestellt wurden, während 1825 die Kompanie des Heiligen Kreuzes begann, das in der Basilika Sant’Andrea verwahrte Holzkreuz in einer Prozession durch die Stadt zu tragen.

Erst 1833 entschied der Erzbischof Reminiac, um Ordnung in die zahlreichen unabhängigen Riten in Zusammenhang mit den Osterfeierlichkeiten zu bringen, alle Gründonnerstags- und Karfreitagsbräuche in einer einzigen Prozession zusammenzufassen, die an der Kirche Sant’Andrea begann, wie es auch heute noch geschieht.

Zurzeit folgen die an die Momente des Leidensweg Christi gebundenen Prozessionsmaschinen einander in chronologischer Reihe, darunter: Jesus im Garten, Jesus an der Geißelsäule, die Dornenkrönung, Ecce-Homo, die Kreuztragung Christi, Christus unter den Henkern, der tote Christus, Mater Dolorosa. Abschluss der Prozession bildet der bemerkenswerte hölzerne Christus aus der Kirche Sant’Andrea,

PROZESSION DER SIEBEN MARIENVARALLO

Die Prozession der Sieben Marien findet am Palmsonntag in Varallo statt. Nach dem überlieferten Brauch beginnt sie bei der Stiftskirche San Gaudenzio und führt nach der Durchquerung der Stadtmitte hinauf zur Wallfahrtskirche auf dem Sacro Monte.

Der Umzug beginnt mit der Gruppe der Sieben Marien, gefolgt von den Glaubensbruderschaften der Heiligen Dreifaltigkeit und des Heiligsten Sakraments und einer Gruppe Kindern in den Kleidern der Figuren des Leidenswegs Christi, der Apostel und der Juden.

Der Ursprung dieser Prozession ist bis heute nicht genau bekannt, doch jedes Jahr wird der Brauch erneut nach dem alten Ritual ausgeführt.

Charakteristisch sind die Sieben Marien oder „Frommen Frauen", die von sieben jungen Mädchen in einem alten schwarzen Kostüm nach spanischer Tradition dargestellt werden. Das Kleid besteht aus einer langen Schleppe, einem weißen Bruststück mit den für das Sesia-Tal typischen Granat-Edelsteinen und einer Schürze aus weißem Leinen. Die Edelfrauen waren seit Ende des 17. Jahrhunderts bei ihrer Hochzeit ähnlich gekleidet.

Zu den Hauptfiguren der Prozession gehören auch die Zeichen der Trauer: der schwarze Schleier vor dem Gesicht, das langsame Schreiten, die Fackeln und das Kreuz, das eine von ihnen trägt.

Es ist noch nicht klar, wann dieses an den Leidensweg Christi gebundene Ritual entstanden ist, doch wird es heute meist an die aus Spanien stammenden Bräuche geknüpft, vielleicht, weil das Sesia-Tal zu jener Zeit zum Herzogtum Mailand gehörte, das unter spanischer Herrschaft stand. Auch die Annahme einer Herkunft dieses Brauchs aus Savoyen wird damit begründet, dass es im Piemont üblich war die Marien, Königinnen oder Frommen Frauen darzustellen, die den Schmerz für das Schicksal Christi in den heiligen Riten zum Ausdruck bringen.

Vielleicht kamen bei der Ausbildung der Regeln und Merkmale dieses Rituals mehrere Elemente zusammen.

VIA CRUCIS – QUARONA

Der traditionelle Kreuzweg, der in Quarona seit 1983 abgewickelt wird, geht von der Idee zweier Bürger Quaronas aus, den Leidensweg Christi in einer Prozession zu inszenieren, die bei der Pfarrkirche beginnt und am Aufstieg zur Kirche San Giovanni al Monte endet. Die erste Figur, die dargestellt wird, ist Christus mit dem Kreuz. Über die Jahre hat sich die Prozession in eine echte Theaterinszenierung verwandelt, die in der ganzen Provinz bekannt ist und Jahr für Jahr mit neuen Stationen des Kreuzwegs erweitert wird. Rund dreihundert Personen nehmen an diesem Heiligen Schauspiel teil.