Der Reis

Geschichte
Der Reis kommt von weit her: Aus Asien, wo er bereits um das Jahr 3.500 v. Chr. in seiner Urform bekannt war. Nach Europa kam er jedoch erst viele Jahrhunderte später und überdies erkannte man nicht gleich den Nährwert dieser Getreideart. Erst nach der Pest und den Hungersnöten im XIV. Jahrhundert begann man ihn als Grundnahrungsmittel anzusehen. In der Folge hielt er in der Gegend Vercelli Einzug – vermutlich zwischen 1427 und 1493 - und brachte große Veränderungen sowohl im Lebensstil und in der Landschaft. Unerlässlich waren die Urbarmachung und Bewässerung des Bodens in den darauffolgenden Jahrhunderten, die die Umwelt radikal veränderten und die Entwicklung der Häuser mit geschlossenem Hof begünstigten – Eine für die bäuerliche Gesellschaft der Gegend Vercelli typische Häuserform, die wahrscheinlich feudalen Ursprungs ist, wenn sie nicht von der ländlichen römischen Villa abstammt.
Diese Bauernhäuser gibt es auch heute noch und viele können sogar besichtigt werden. Sie sind der Schlüssel zum Verständnis des Erfolges der Region um Vercelli als „europäische Reisprovinz".

Das Gebiet und seine Landschaft
Die Gegend um Vercelli wird vom Reisanbau beherrscht. Kilometer um Kilometer an Reisfeldern machen aus diesem weitläufigen Gebiet einen faszinierenden und einnehmenden Flecken Erde. Das liegt auch daran, dass es hier offensichtlich ein Gleichgewicht zwischen der Natur und der Arbeit des Menschen gibt und die Jahreszeiten so aufeinanderfolgen, dass die Farben wunderbar miteinander verschmelzen.
Der Winter wird von der Stille und dem Braun der ruhenden Erde beherrscht. In den kälteren Monaten ist diese Farbe auch von dem Weiß des Raureifs oder des Schnees durchzogen und vom silbernen Grau des Nebels eingehüllt. Im Frühling, erwachen die Reisfelder glänzend und glitzernd und das Wasser taucht sie ein und verwandelt sie in ein riesiges Schachfeld mit Spiegeln, die die gesamte Umgebung– die Nebel, die Berge, die Bäume und selbst winzige Grashalme - reflektieren. Im Sommer strahlt der wachsende Reis in einem so leuchtenden und intensiven Grün, dass er der Gegend Kraft und Energie verleiht und passt so gut zum Blau des Himmels und den dampfenden sommerlichen Wolken. Der nun reife Reis wird gülden und taucht die Umgebung kurz vor seiner Erde in warme und zauberhafte Farben.
Auch wenn die Arbeiten in den Reisfeldern heute zur Gänze von Maschinen bewältigt werden, besitzt die Umgebung noch immer die Faszination uralter Zeiten, eine Faszination, die man auch noch im unvergesslichen Film Riso Amaro von Giuseppe De Santis spürt. Er wünschte sich als Drehort für sein Masterwerk das Bauernhaus Veneria di Lignana.
Die Reisfelder stellen ein europaweit einzigartiges historisches, kulturelles und territoriales Erbe dar, das es zu schützen und aufzuwerten gilt. Deshalb ist die Accademia del Riso entstanden, eine nicht gewinnorientierte Einrichtung die vom ASCOM Vercelli gefördert wird, in dem die Verantwortlichen des Wein- und Gastronomieverbandes von Vercelli und des gesamten Reissektors vereint sind. Sie haben das gemeinsame Ziel, die Restaurants, die Wein- und Gastronomietraditionen und die touristisch-kulturellen Ressourcen des Gebietes zu fördern.

Reisarten in Vercelli
In der Gegend von Vercelli werden über 100 Reisarten angebaut. Einige von ihnen, die als traditionsreich angesehen werden, werden von einer eigenen Qualitätsmarke "geschützt”.

Baldo: "Junge” Reisart, die vom Arborio abstammt – ein feiner Reis von großer Qualität, der in der Küche viel hermacht. Reich an Stärke, mit großen Körnern, die jede Kochart sehr gut vertragen. Perfekt wird dieser Reis wenn er zu Risotto verarbeitet oder im Ofen gebacken wird.

Arborio: Ein enorm erfolgreicher, historischer Reis, der seinen Namen vom gleichnamigen Dorf in der Provinz Vercelli erhalten hat. Er besitzt die größten Körner aller italienischen Reisarten, sie kochen gleichförmig und der Kern bleibt bissfest.

Nuovo Maratelli: Wird nach einigen Jahren wieder produziert und ist sicherlich eine der Reisarten, die die Geschichte des Reisanbaus mitgeprägt haben. Die Körner sind rundlich und für eine „körnige" Kochart und für einfache und schmackhafte Risottos mit würzigen Kräutern geeignet.

Sant’Andrea: Typisch für die Baraggia (der nördlichste Teil der Region Vercelli, einst wildes Heideland und heute Naturreservat zum Schutz einer einzigartigen Umgebung und einem Land voller Pfarrhäuser und Schlösser). Er ist kompakt und besitzt halbschlanke Körner. Die Vielseitigkeit dieser Reisart macht ihn besonders geeignet für Suppen, Reis "all’inglese”, Kroketten, Pfannkuchen oder Reistorten, aber auch für das einfache Kochen als Beilage statt Brot oder Kartoffeln.

Carnaroli:Unter der Fülle an feinen Reisarten ist dieser der beste für die Haute Cuisine, da er von hoher Qualität ist. Besonders gehaltvoll ist er äußerst kochfest und saugt viel Flüssigkeit auf. Diese Eigenschaft macht ihn ideal für Risottos ohne Körner, Reissalate und Gerichte der gehobenen Küche.

Balilla: auch Originaria genannt, da er die erste in Italien angebaute Reisart ist. Er besitzt kleine und runde Körner, die ihn besonders geeignet für Suppen und Eintöpfe machen. Er ist aber auch ideal für Pasteten, Kroketten, gebackene Reiskroketten mit Hackfleisch und Süßspeisen.