Die Abtei St. Andrea

Die in nur acht Jahren erbaute Abbazia Sant’Andrea ist nicht nur ein außergewöhnliches architektonisches Werk, das verschiedene Baustil mit unvergleichlicher Harmonie vereint, sondern sie ist auch seit über 800 Jahren des imposante Wahrzeichen von Vercelli.

Die Abtei St. Andrea:Zwischen Gotik und Romanik

Die Abtei St. Andrea wurde zwischen 1219 und 1227 auf Wunsch und mit finanzieller Unterstützung von Kardinal Guala Bicchieri erbaut, der Nachkomme einer der damals mächtigsten Adelsfamilien Vercellis und ein gewandter Diplomat war. Die Abtei mit ihrem Gemisch aus romanischem und gotischem Baustil überrascht mit ihrer majestätischen Leichtigkeit, ihrer formalen Eleganz und den konstruktiven Details. Auch wenn der Name ihres Architekten nicht bekannt ist, zeigt sie architektonisch eine perfekte Union zwischen den Linien der norditalienischen Romanik und der Gotik von jenseits der Alpen. Im Laufe der Jahrhunderte erlebte sie zwar einige bedeutende Umbauten, doch dank ihres faszinierenden Charmes und ihres einmaligen Charakters gehört sie auch heute noch weltweit zu den wichtigsten Bauwerken romanisch-gotischen Baustils.

Die Basilika

Die von außen imposant erscheinende Basilika zeichnet sich durch vier vertikale Elemente aus: Zwei Türme an der Frontseite, den Tiburio und den seitlichen Glockenturm. In die Basilika tritt man durch drei herrliche Portale, über denen wunderschöne von der Schule Benedetto Antelami gefertigte Oculusfenster strahlen. Beeindruckend ist der farbliche Kontrast der verschiedenen Baumaterialien: Das Graugrün des Valsesia-Steins, der den größten Teil der Fassade einnimmt, das Weiß des Sandsteins der Säulen und der Kapitelle der Loggien, und das Rot, das sich am oberen Teil der Türme davon abhebt.

Das Innere ist nüchtern und leer mit feierlichen Proportionen und durch die Rosetten und Fenster herrlich beleuchtet, die als Fortsetzung des Rot und Weiß der Baumaterialien und der Baulinien erscheinen. Die drei großen Kirchenschiffe, die durch weite von zylinderförmigen Säulen getragenen Spitzbögen getrennt sind, enden mit einem sehr hohen Querschiff, in dessen Mitte der majestätische achteckige Tiburio emporragt. An der Seite des Chorraums mit dem kostbaren Holzchor aus dem 14. Jahrhundert befinden sich vier Apsis-Kapellen. Die interessanteste von ihnen ist die Kapelle, die das Grabmal von Tommaso Gallo enthält, dem ersten Abt von St. Andrea.

Der Kreuzgang und der Kapitelsaal

Neben der Basilika befindet sich die Anlagen der Abtei mit den Wohn- und Nutzräumen der Mönche. Als erste wurde den Augustinermönche von San Vittoire in Paris die Leitung der Abtei von Kardinal Guala Bicchieri übertragen, die dann 1467 von den Lateranchorherren abgelöst wurden, die die Abtei bis zum 20. Jahrhundert führten.

Der Kapitelsaal

Der Saal gilt als einer der schönsten seiner Art in Italien und wurde so genannt, weil hier das Kapitel, also das Kollegium der Mönche, zusammentraf. Auf viereckigem Grundriss mit Kreuzrippengewölbe, das auf vier zentralen Steinsäulen ruht, bewahrt dieser Kapitelsaal Fresken, die Bernadino Lanino zugeschrieben werden, einem Maler aus Vercelli des 14. Jahrhunderts. Der Saal ist neben seiner Schönheit auch von großer Bedeutung für die Geschichte der Stadt: Hier wurde 1310 der Friede zwischen den Guelfen und den Ghibellinen Vercellis im Beisein von Kaiser Heinrich VII unterzeichnet.

Der Kreuzgang

Trotz der bedeutenden im Laufe der Jahrhunderte erfolgten Umbauten bewahrt dieser Kreuzgang auch heute noch seine Abgeschiedenheit und ist ein Ort des Friedens und der Meditation. Der an drei Seiten von den Gebäuden der Abtei und auf einer Seite von der Basilika verschlossene Kreuzgang wird über ein herrliches Portal mit Terrakotta-Rahmen und Gemälden aus dem 16. Jahrhundert betreten. In der Mitte des Kreuzganges befindet sich ein Brunnen, von dem aus man einen spektakulären Blick auf die gesamte Abtei St. Andrea genießen kann.
Die Abtei St. AndreaIm Inneren der Abtei Sant'AndreaKreuzgang